Das Wildschwein, das auch Schwarzwild genannt wird, kennt jeder – doch werden seine Fähigkeiten oft unterschätzt. Als Allesfresser mit beeindruckenden Überlebensstrategien hat es sich zu einem der erfolgreichsten Wildtiere Deutschlands entwickelt. Seine Anpassungsfähigkeit hilft ihm auch jetzt, in der kalten Jahreszeit.
Gedrungene Statur, borstiges Fell und ein ausgeprägter Rüssel – Wildschweine sind unverkennbar. Die kräftigen Eckzähne der Männchen können über 20 Zentimeter lang werden. Durch ihr ständiges Aneinanderschleifen sind sie messerscharf. Bei älteren Keilern kommen sie vor allem bei Rangkämpfen in der Paarungszeit – der sogenannten Rauschzeit – zum Einsatz. Ausgewachsene männliche Wildschweine sind in der Regel Einzelgänger und stoßen nur zur Paarungszeit zu den Bachen. Diese leben zusammen mit den Jungtieren in einer Rotte. Angeführt wird diese familienähnliche Gruppe vom erfahrensten Tier, der sogenannten Leitbache. Wildschweine sind von Natur aus tagaktive Tiere, suchen vor Störungen aber zunehmend Schutz in der Dunkelheit.
Bestens gerüstet für die kalte Jahreszeit
Während viele Wildtiere im Winter ihren Stoffwechsel drosseln oder in Winterruhe fallen, bleiben Wildschweine aktiv. Ab Dezember tragen sie ihr Winterfell: Dicke, dunkelgraue bis schwarze Borsten schützen die Tiere zusammen mit einer dicken Unterhautfettschicht vor niedrigen Temperaturen. Luftkammern zwischen den einzelnen Haaren und eine dichte Unterwolle sorgen für eine gute Isolierung. Wird es besonders eisig, kuscheln sich die Mitglieder einer Rotte im Unterholz aneinander und wärmen sich gegenseitig.

Paarung mitten im Winter
Die Rauschzeit der Wildschweine liegt in den Monaten November bis Januar. Zu welchem Zeitpunkt genau die weiblichen Tiere einer Rotte rauschig, also fruchtbar werden, hängt von den fruchtbaren Tagen der Leitbache ab. Dieses Phänomen wird Rauschsynchronisation genannt. Während der Rauschzeit verlieren Wildschweine manchmal ihre natürliche Scheu vor dem Menschen, sodass man die Tiere öfter auch tagsüber zu Gesicht bekommen kann. Keiler verlassen häufig ihr angestammtes Revier, um Bachen zu finden, und es kommt zu Kämpfen zwischen Rivalen. Nach einer Tragzeit von etwa vier Monaten kommen im Frühjahr pro Wurf im Schnitt sechs Frischlinge zur Welt. Weil der Beschützerinstinkt der Muttertiere in dieser Zeit besonders ausgeprägt ist, sollten Spaziergänger unbedingt auf den Wegen bleiben, um Konfrontationen zu vermeiden.

Wühlarbeit mit Folgen
Durch ihre Anpassungsfähigkeit zählen Wildschweine zu den Gewinnern in unserer Kulturlandschaft. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich ihre Populationen vervielfacht. Wildschweine sorgen für kontroverse Diskussionen, da sie große Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen anrichten können, besonders im Grünland und Getreideanbau. Auf der Suche nach Nahrung durchwühlen sie mit ihren Rüsseln sogar Gärten, Parks und Friedhöfe. Eine aktuelle Studie belegt aber auch, dass Wildschweine durch diese Wühlaktivität ihren Lebensraum positiv für andere Tierarten gestalten können: Im Hainich Nationalpark in Thüringen wurden zwei seltene Schmetterlingsarten nachgewiesen, deren Futterpflanzen fast ausschließlich an Wühlstellen von Wildschweinen zu finden waren.


Afrikanische Schweinepest
Gegen eine Bedrohung sind Wildschweine trotz ihrer Anpassungsfähigkeit eher machtlos: die Afrikanische Schweinepest. Eine Infektion mit dem Virus verläuft für die meisten Wild- und Hausschweine tödlich. Das Virus verbreitet sich vor allem über kontaminierte Kleidung, Fahrzeuge und Speisereste. Menschen und Haustiere können sich nicht anstecken. In Ausbruchsgebieten werden möglichst alle Wildschweine erlegt. In einer Pufferzone um das betroffene Gebiet wird der Jagddruck reduziert, um eventuell infizierte Tiere nicht aufzuscheuchen und dadurch die Verbreitung des Virus zu begünstigen. Kadaver müssen sofort dem Veterinäramt gemeldet werden. In Deutschland trat die Afrikanische Schweinepest erstmals 2020 auf. Seitdem konnten Fälle in insgesamt sechs Bundesländern nachgewiesen werden.

Artenvielfalt bewahren
Die wenigsten heimischen Wildtiere gehören so zu den Gewinnern wie das Wildschwein. Im Gegenteil: Die Tierwelt in Deutschland verliert an Vielfalt, weil Arten aussterben.
Der Gründer der Deutschen Wildtier Stiftung Haymo G. Rethwisch erkannte als Jäger schon früh, dass die Ursache für den Verlust im Schwund von Lebensräumen liegt. Deswegen gründete er vor mehr als 30 Jahren die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung. Übernehmen Sie mit uns gemeinsam Verantwortung, wenn es darum geht, Natur und Wildtiere für künftige Generationen zu bewahren. Machen auch Sie mit und helfen Sie mit Ihrer Spende.
Text: Deutsche Wildtier Stiftung
Titelfoto: Guter Riecher: Das Wildschwein (Sus scrofa) kann Nahrung auch unter einer Schneedecke erschnüffeln.
Foto: imageBROKER.com / Sunbird Images


